Kita-Eingewöhnung und Schlaf: So findet ihr einen passenden Tagesablauf
Die Kita-Eingewöhnung ist ein großer Schritt – für dein Kind und für dich als Mama oder Papa. Plötzlich gibt es neue Bezugspersonen, viele andere Kinder, ungewohnte Räume und einen Tagesablauf, der sich nicht immer nach dem individuellen Schlafbedürfnis deines Kindes richtet.
Kein Wunder also, wenn sich in dieser Zeit auch der Schlaf verändert.
Vielleicht schläft dein Kind in der Kita zunächst gar nicht. Vielleicht findet der Mittagsschlaf deutlich später statt als zu Hause. Oder dein Kind ist abends so übermüdet, dass das Einschlafen plötzlich schwieriger wird und die Nächte unruhiger werden.
Du musst deshalb keine Einschlafgewohnheiten oder andere vertraute Abläufe ändern – im Gegenteil!
Viel wichtiger ist es, die ersten Wochen als Übergangszeit zu betrachten und gemeinsam einen Tagesablauf zu finden, der möglichst gut zu deinem Kind und zum Kita-Alltag passt. Bisher vertraute Routinen sind in dieser Zeit besonders wichtig, behalte sie unbedingt bei.
Muss mein Kind vor der Kita ohne Stillen oder andere Einschlafhilfen schlafen können?
Eine der häufigsten Sorgen vor der Eingewöhnung lautet:
„Mein Kind schläft zu Hause nur beim Stillen, Tragen oder mit meiner Begleitung ein. Wie soll es dann jemals in der Kita schlafen?“
Die gute Nachricht ist: Du musst das Einschlafstillen oder eine andere vertraute Einschlafhilfe nicht vorsorglich lösen, nur weil dein Kind bald in die Kita kommt.
Kinder können sehr gut unterscheiden:
- Bin ich zu Hause oder in der Kita?
- Ist Mama oder Papa bei mir?
- Begleitet mich heute eine Erzieherin?
- Welche Möglichkeiten stehen mir in dieser Situation zur Verfügung?
Dein Kind erwartet von einer Erzieherin normalerweise nicht automatisch dieselbe Einschlafbegleitung wie von dir. Stattdessen kann es mit einer anderen Bezugsperson einen eigenen Weg in den Schlaf entwickeln.
Vielleicht schläft es in der Kita im Arm ein, lässt sich streicheln, hört ein Lied oder legt sich gemeinsam mit den anderen Kindern auf seine Matratze. Zu Hause darf es trotzdem weiterhin beim Stillen, Kuscheln oder Tragen einschlafen. In der Kita oder bei der Tagesmutter sind bereits feste Strukturen und Abläufe vorhanden, andere Kinder sind da und wissen genau was wie abläuft – dieses Vormachen der anderen Kinder hilft deinem Kind und es wird sich diese Abläufe aneignen.
Kinder brauchen nicht überall identische Bedingungen. Sie können unterschiedliche Einschlafwege mit unterschiedlichen Personen und Orten verknüpfen.
Lass dich deshalb nicht verunsichern, wenn dir vor der Eingewöhnung gesagt wird, dein Kind müsse unbedingt alleine einschlafen können oder dürfe zu Hause nicht mehr gestillt werden. Eine vertraute Einschlafhilfe zu Hause verhindert nicht grundsätzlich, dass dein Kind in der Kita einen anderen Weg findet.
Wenn du das Einschlafstillen unabhängig von der Kita verändern möchtest, darfst du das natürlich tun. Die bevorstehende Eingewöhnung allein ist jedoch kein Grund, deinem Kind gleichzeitig auch noch seine vertraute Einschlafbegleitung zu nehmen.
In diesem Minikurs zeige ich dir, wie du das Einschlafstillen, sanft und ohne schreien lassen oder “tragen statt stillen” lösen kannst: Lös das Einschlafstillen in 7 Tagen
Warum die Nächte während der Kita-Eingewöhnung unruhiger werden können
Das dein Kind während der Eingewöhnung plötzlich nachts häufiger aufwacht, mehr Nähebedürfnis oder längere Wachphasen in der Nacht hat, ist nicht untypisch.
Denn dein Kind muss gerade unglaublich viel verarbeiten:
- eine neue Umgebung
- neue Bezugspersonen
- viele Kinder und soziale Kontakte
- ungewohnte Geräusche und Abläufe
- die zeitweise Trennung von Mama oder Papa
- neue Essens- und Schlafenszeiten
- möglicherweise weniger Tagschlaf
- längere Wachphasen als bisher
All diese Eindrücke können dazu führen, dass dein Kind nachts unruhiger schläft, häufiger deine Nähe sucht oder wieder mehr gestillt werden möchte.
Das ist nicht “schlecht” und bedeutet auch nicht, dass eure bisherigen Routinen nicht mehr funktionieren. Kinder zeigen damit einfach, dass sie tagsüber sehr viel leisten und nachts zusätzliche Regulation und Sicherheit benötigen.
Versuche deshalb, nicht sofort etwas zu ändern. Die Eingewöhnung selbst ist bereits eine große Umstellung. Gebt euch Zeit, im neuen Alltag anzukommen.
Wenn der Mittagsschlaf in der Kita zu spät beginnt
Nicht jeder Kita-Ablauf passt direkt zum Schlafrhythmus eines Kindes. Besonders schwierig kann es werden, wenn der Mittagsschlaf in der Kita viel später beginnt als der bisherige Schlaf zu Hause.
War dein Kind beispielsweise bisher um 10:30 oder 11 Uhr müde, beginnt die Ruhezeit in der Kita aber erst um 12:30 Uhr, entsteht plötzlich eine sehr lange erste Wachphase. Manche Kinder schaffen das gut. Andere sind bis zum Mittagsschlaf bereits stark übermüdet.
Mögliche Anzeichen dafür sind:
- starke Unruhe vor dem Mittagsschlaf
- viel Weinen oder schnelle Frustration
- ein sehr kurzer und unruhiger Mittagsschlaf
- schwieriges Einschlafen trotz sichtbarer Müdigkeit
- starke Erschöpfung am Nachmittag
- Einschlafen im Auto direkt nach der Kita
- häufigeres Aufwachen in der Nacht
- sehr frühes Aufwachen am Morgen
In diesem Fall kann ein kleiner zusätzlicher Schlaf helfen, die lange Wachphase zu überbrücken.

Möglichkeit 1: Ein Powernap auf dem Weg zur Kita
Wenn dein Kind morgens sehr früh wach wird und die Zeit bis zum Kita-Mittagsschlaf zu lang ist, kann ein kurzer Powernap auf dem Weg zur Kita entlasten.
Das kann beispielsweise im Kinderwagen, in der Trage oder während der Autofahrt passieren. Der Schlaf muss nicht lang sein. Manchmal reichen bereits wenige Minuten, damit dein Kind nicht völlig übermüdet in den Vormittag startet.
Möglichkeit 2: Morgens etwas früher starten
Es kann auch sinnvoll sein, dein Kind morgens etwas früher zu wecken und dafür vor der Kita noch einen kurzen Schlaf einzuplanen.
Das klingt zunächst widersprüchlich. Ziel ist aber nicht, den Schlaf zu verkürzen, sondern ihn anders über den Tag zu verteilen. Durch den früheren Start kann vor der Kita noch ausreichend Schlafdruck für einen kleinen Powernap entstehen.
Ob das funktioniert, hängt vom Alter deines Kindes, seinem Schlafbedarf und dem Zeitpunkt des Kita-Mittagsschlafs ab.
Möglichkeit 3: Einen Umweg zur Kita gehen
Wenn ihr zu Fuß zur Kita gehen könnt, plane etwas mehr Zeit ein und laufe einen Umweg. Dein Kind kann währenddessen in der Trage oder im Kinderwagen schlafen oder sich einfach nochmal ausruhen. Besonders Kleinkinder profitieren sehr von Ruhepausen ohne körperliche Aktivität.
So lässt sich ein kurzer Schlaf integrieren, ohne dass ihr dafür den gesamten Vormittag umstellen müsst.
Wichtig ist, dass der Powernap nicht zu lang wird. Er soll deinem Kind lediglich dabei helfen, die Zeit bis zum regulären Mittagsschlaf zu überbrücken.
Möglichkeit 4: Früher abholen und auf dem Heimweg schlafen lassen
Wenn dein Kind während der ersten Eingewöhnungstage noch nicht in der Kita schläft, kannst du es – sofern es organisatorisch möglich ist – früher abholen.
Der Schlaf kann dann direkt auf dem Heimweg im Kinderwagen, in der Trage oder im Auto stattfinden. So musst du nicht erst zu Hause versuchen, ein bereits völlig übermüdetes Kind zum Einschlafen zu bringen.
Wenn der Mittagsschlaf sehr spät endet
Manchmal liegt das Problem nicht in einer zu langen Wachzeit am Vormittag, sondern darin, dass der Mittagsschlaf in der Kita sehr spät beginnt oder sehr lange dauert.
Schläft dein Kind bis weit in den Nachmittag hinein, ist am Abend möglicherweise noch nicht genügend Schlafdruck vorhanden. Die Einschlafzeit verschiebt sich immer weiter nach hinten und der gesamte Tag wird sehr lang.
Dann können – abhängig vom Alter und vom individuellen Schlafbedarf – unterschiedliche Lösungen sinnvoll sein:
- Prüfen, ob die Schlafdauer in der Kita etwas begrenzt werden kann.
- Den Nachmittag bewusst ruhig gestalten.
- Auf einen zusätzlichen langen Schlaf am späten Nachmittag verzichten.
- Die Bettzeit an die tatsächliche Schlafdauer und Wachzeit anpassen.
Eine sehr frühe Bettzeit ist vor allem dann sinnvoll, wenn dein Kind in der Kita wenig oder gar nicht geschlafen hat.
War der Mittagsschlaf dagegen sehr spät oder sehr lang, muss die letzte Wachphase trotzdem ausreichend lang sein. Ein Kind, das noch nicht müde genug ist, kann auch durch eine frühere Bettzeit nicht zum Schlafen gebracht werden.
Entscheidend ist deshalb immer das Zusammenspiel aus Gesamtschlaf, Schlafverteilung und individuellen Wachzeiten. Lies dazu diesen Blogbeitrag: Warum die Gesamtschlaf- und Wachzeit entscheidend ist
Wenn dein Kind in der Kita kaum schläft
In den ersten Tagen oder Wochen schlafen einige Kinder in der Kita deutlich weniger als zu Hause. Manche verweigern den Schlaf zunächst sogar vollständig.
In dieser Zeit kann es helfen:
- dein Kind früher abzuholen
- den Schlaf direkt auf dem Heimweg zu ermöglichen
- am Nachmittag einen kurzen Powernap anzubieten
- eine ruhige Pause ohne Schlaf einzuplanen
- den Nachmittag möglichst reizarm zu gestalten
- dein Kind am Abend deutlich früher ins Bett zu begleiten
Eine Ruhepause ersetzt zwar keinen Schlaf, kann das Nervensystem aber trotzdem entlasten. Kuscheln, ein Hörspiel, Bücher anschauen oder ruhiges Spielen können deinem Kind helfen, nach dem Kita-Tag herunterzufahren.
Behalte den Gesamtschlaf im Blick
Auch während der Eingewöhnung bleibt der individuelle Schlafbedarf deines Kindes wichtig.
Ein einzelner Tag mit wenig Schlaf ist normalerweise kein Problem. Bekommt dein Kind jedoch über einen längeren Zeitraum deutlich weniger Schlaf als zuvor, kann sich das auf seine Stimmung, das Einschlafen und die Nächte auswirken.
Schau deshalb nicht nur auf den Mittagsschlaf in der Kita, sondern auf die gesamten 24 Stunden:
- Wie lange schläft dein Kind nachts?
- Wie viel Tagschlaf bekommt es?
- Wie lang sind die einzelnen Wachphasen?
- Hat sich die gesamte Schlafmenge deutlich verändert?
- Wirkt dein Kind über mehrere Tage erschöpft oder überreizt?
- Verschiebt sich die Bettzeit immer weiter nach hinten?
- Werden die Nächte gleichzeitig unruhiger?
Oft muss der bisherige Tagesablauf nicht komplett aufgegeben, sondern lediglich an den neuen Kita-Rhythmus angepasst werden.
Wenn du dir dabei konkrete Orientierung wünschst, findest du in meinen Schlafplänen altersgerechte Tagesabläufe und verschiedene Varianten für Tage mit kurzem, spätem oder ausgefallenem Mittagsschlaf. So kannst du leichter einschätzen, wo ein Powernap sinnvoll ist, wann eine frühere Bettzeit helfen kann und wie ihr den Schlaf trotz Kita möglichst passend über den Tag verteilt.
Vertrauen erleichtert die Eingewöhnung
Nicht nur dein Kind muss Vertrauen in die neuen Bezugspersonen entwickeln. Auch du darfst die Einrichtung, den Tagesablauf und die Erzieherinnen und Erzieher kennenlernen.
Wenn du nicht weißt, was während des Kita-Tages passiert, entstehen schnell Unsicherheit und Sorgen. Diese Gefühle sind verständlich und Kinder nehmen unsere Anspannung häufig wahr.
Das bedeutet nicht, dass du immer völlig entspannt sein musst. Du darfst traurig, aufgeregt oder unsicher sein. Gleichzeitig kann es dir helfen, vor Beginn der Eingewöhnung möglichst viele offene Fragen zu klären.
Je besser du den Alltag in der Einrichtung verstehst, desto leichter kannst du Vertrauen aufbauen. Und wenn du deinem Kind ehrlich vermitteln kannst: „Ich weiß, wo du bist. Ich kenne die Menschen hier und ich habe ein gutes Gefühl“, kann das auch deinem Kind Sicherheit geben.
10 Fragen, die du vor der Eingewöhnung stellen kannst

1. Wie läuft die Eingewöhnung konkret ab?
Frage, welches Eingewöhnungsmodell die Einrichtung nutzt, wie die ersten Tage gestaltet werden und woran entschieden wird, wann die erste Trennung stattfindet.
2. Wer wird die feste Bezugsperson meines Kindes?
Kläre, wer dein Kind hauptsächlich begleitet und wie der Beziehungsaufbau gestaltet wird.
3. Was passiert, wenn die Bezugsperson krank oder im Urlaub ist?
Es ist hilfreich zu wissen, welche weitere Person dein Kind frühzeitig kennenlernen kann und wer im Notfall übernimmt.
4. Wann und wie finden die Mahlzeiten statt?
Frage nach den Essenszeiten und danach, wie viel Zeit zwischen Frühstück, Mittagessen und den Zwischenmahlzeiten liegt.
5. Was wird angeboten und wie selbstständig dürfen die Kinder essen?
Darf dein Kind selbst schöpfen und entscheiden, wie viel es essen möchte? Was passiert, wenn es ein Gericht nicht mag oder nichts essen möchte?
6. Wann beginnt die Schlafenszeit?
Lass dir den genauen Ablauf erklären: Wann werden die Kinder hingelegt, wie lange dauert die Ruhezeit und gibt es flexible Schlafenszeiten?
7. Wo und wie schlafen die Kinder?
Schlafen alle Kinder in einem gemeinsamen Raum? Hat jedes Kind einen festen Schlafplatz? Ist der Raum dunkel und wird Musik oder ein Geräusch abgespielt?
8. Wer begleitet mein Kind beim Einschlafen?
Frage, ob die Kinder gestreichelt, getragen oder anderweitig begleitet werden und ob vertraute Gegenstände wie Schnuller, Schlafsack oder Kuscheltier mitgebracht werden dürfen.
9. Werden die Kinder geweckt oder dürfen sie ausschlafen?
Kläre, ob eine individuelle Begrenzung des Mittagsschlafs möglich ist, wenn ein langer oder später Schlaf regelmäßig zu sehr späten Abenden führt.
10. Was passiert, wenn mein Kind nicht schlafen kann oder möchte?
Muss es während der gesamten Ruhezeit liegen bleiben? Darf es früher aufstehen oder wird ihm eine andere ruhige Beschäftigung angeboten?
Gebt euch Zeit für den neuen Alltag
Eine Kita-Eingewöhnung verläuft selten vollkommen geradlinig. Es kann gute Tage geben und Tage, an denen dein Kind wieder deutlich mehr Nähe braucht. Auch der Schlaf darf vorübergehend unruhiger werden.
Versuche, nicht sofort an jeder Stellschraube gleichzeitig zu drehen. Beobachte zunächst:
- Wie entwickelt sich der Schlaf in der Kita?
- Wie kommt dein Kind mit den neuen Wachzeiten zurecht?
- Braucht es vor oder nach der Kita einen Powernap?
- Hilft eine frühere Bettzeit?
- Wie verändert sich der Gesamtschlaf innerhalb von 24 Stunden?
Mit der Zeit wird die Kita vertrauter, die neuen Bezugspersonen werden zu sicheren Begleitern und der Körper deines Kindes kann sich an den neuen Rhythmus gewöhnen.
Dein Kind muss dafür nicht plötzlich auf alle vertrauten Einschlafhilfen verzichten. Es darf in der Kita einen neuen Weg finden und zu Hause weiterhin die Nähe bekommen, die ihm Sicherheit gibt.
Denn die Eingewöhnung ist kein Wettlauf. Sie ist ein gemeinsamer Prozess, in dem dein Kind – und auch du – Schritt für Schritt im neuen Alltag ankommen dürft.
Wenn die Einschlafbegleitung plötzlich länger dauert
Viele Kinder nutzen die Einschlafbegleitung auch als wertvolle Quality Time mit Mama oder Papa. Gerade wenn sie neu in die Kita gehen und tagsüber deutlich weniger Zeit mit ihren Eltern verbringen, ziehen sie die Einschlafbegleitung am Abend häufig in die Länge. Sie möchten noch kuscheln, erzählen, trinken oder einfach ganz nah sein. Deshalb ist es so wichtig, das Abendritual mit viel Bindung, Selbstwirksamkeit und körperlicher Regulation zu füllen. So kann dein Kind seinen Bindungstank auffüllen, die Erlebnisse des Tages verarbeiten und leichter zur Ruhe kommen. Wie du ein solches Abendritual Schritt für Schritt gestaltest, zeige ich dir in meiner kostenlosen 0-€-Abendritual-Challenge per E-Mail.
Hier kannst du dich kostenlos zur Abendritual-Challenge anmelden:
7 Tage – 7 E-Mails voller Mehrwert








